Epilepsie ist eine Erkrankung, die beim Menschen und in vielen Hunderassen auftritt. Epilepsie kann nach einer Schädigung des Gehirns entstehen (z. B als Folge eines Unfalls oder Tumors), aber auch genetische Ursachen haben. Bei Hunden spielen die genetisch bedingten Formen der Epilepsie vermutlich eine sehr grosse Rolle. In Zusammenarbeit mit den Genetikern Prof. Tosso Leeb von der Universität Bern und Prof. Hannes Lohi von der Universität Helsinki möchten wir gerne die genetischen Ursachen von erblichen Epilepsieformen bei Retrievern erforschen. Bisher wurden insbesondere beim Labrador Retriever schon mehrere bisher erfolglose Versuche unternommen, genetische Varianten zu identifizieren, die eine Epilepsie auslösen können. Nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens werden die genetisch bedingten Epilepsieformen bei Hunden häufig komplex vererbt. Das bedeutet, dass mehrere schädliche Genvarianten und unter Umständen auch noch bestimmte Umweltfaktoren zusammentreffen müssen, damit eine Epilepsie auftritt. Es ist bis heute in der Genetik äusserst schwierig, solche komplex vererbten Krankheiten aufzuklären.

Es gibt nun neue Berichte von familiär gehäuften Epilepsiefällen sowohl bei Labrador als auch bei Golden Retrievern. Hier bekamen gleich mehrere Geschwister aus einzelnen Würfen epileptische Anfälle. Bei den betroffenen Wurfgeschwistern begannen die Anfälle etwa im gleichen Lebensalter und wiesen eine ähnliche Anfallshäufigkeit und –Schwere auf. Die Wissenschaftler der Universitäten von Bern und Helsinki halten es für möglich, dass es sich bei diesen familiären Epilepsieformen um monogen vererbte Merkmale handelt, die durch eine einzige Genvariante ausgelöst werden. Sollte diese Vermutung zutreffen, bestehen gute Chancen, dass sich diese Epilepsieformen aufklären lassen und ein Gentest entwickelt werden kann. Es muss hier betont werden, dass so ein Gentest dann auch nur den Genotyp für jeweils eine spezifische Epilepsieform erkennen kann, aber keine Voraussage für alle anderen Epilepsieformen zulassen wird.

Für die neuen Forschungsanstrengungen werden zwingend Blutproben von kompletten Familien, d.h. alle Wurfgeschwister mit beiden Eltern benötigt. Die Familienanalysen erlauben es, Gemeinsamkeiten zwischen den betroffenen Hunden und Unterschiede zu den gesunden Hunden herauszuarbeiten. Konkret werden Petra Golz für die Golden Retriever und Dr. Helena Niehof-Oellers für die Labrador Retriever nach Familien mit gehäufter Epilepsie suchen und dann die Probenentnahmen koordinieren.

Prof. Dr. Tosso Leeb
Institute of Genetics University of Bern
Bremgartenstrasse 109a, P.O.
Box 8466
3001 Bern
Switzerland

 

Spendenstand für dieses Projekt zum 30.11.2016:
16.024,96 EUR